Reisebericht Mai 2015

Am 9. Mai konnten wir endlich wieder einmal nach Montenegro aufbrechen.

Dank der grosszügigen Sach- und Futterspenden von Anita Greub, Dr. Melanie Kettner, Susanne Sciessere und Elisabeth K. und der Firma Goldenway Tiernahrung konnten wir das Auto bis unters Dach füllen. Wir danken nochmals ganz herzlich für eure Hilfe!

Unseren ersten Halt machten wir im Asyl Kotor. Obwohl es Sonntag Abend war, war die Tierpflegerin vor Ort. Einige der Hunde befanden sich im Freilauf, andere waren in den Gruppenzwingern. Die Tierpflegerin versteht leider überhaupt kein Englisch. Sie freute sich sehr über unsere Futterspenden, vor allem die kostbare Welpenmilch fand grossen Anklang. Traurig ist der Anblick der Quarantäne-Station, wo alle Neuankömmlinge für mehrere Wochen untergebracht sind. Hier ist unbedingt Hilfe nötig. Denn die Hüttchen sind alles andere als hygienisch und sowieso diese Form der Haltung unwürdig und grausam.

Nach einer Zweitagesreise konnten wir uns in einer privaten Unterkunft in Ulcinj ein wenig von den Strapazen der Reise erholen.

Schon am nächsten Tag hatten wir einen Termin mit dem Veterinär, der unser Kastrationsprojekt durchführt. In seiner Klinik werden die Hunde und Katzen kastriert, mit Antibiotika versorgt und gegen Tollwut geimpft. Zur Kennzeichnung erhalten sie eine Ohrmarke. Während 7 Tagen danach werden die Tiere in der Klinik betreut und dann wieder an ihren Stammplätzen ausgesetzt. Wir konnten uns überzeugen, dass die Klinik hygienisch ist. Auch die aktuellen Kandidaten konnten wir in ihrem Käfigen besuchen. Alle waren wohlauf, bis auf einen Setter, der einen Knochenbruch am Bein hat. Er wird weiterhin in der Klinik behandelt.

In der Kleinstadt Ulcinj vor der albanischen Grenze gibt es keine Vergiftungsaktionen und es gibt dort auch Menschen, die sich um das Wohl der Tiere sorgen. Sie versorgen die Strassentiere regelmässig mit Futter und bringen sie auch zum Tierarzt, wenn es nötig ist. Wir verlängern das Kastrationsprojekt bis auf weiteres. Auch für dieses Projekt brauchen wir dringend Spendengelder! Denn auch mittellose Privatpersonen wollen ihre Tiere zum Kastrieren bringen. Dem würden wir gerne nachkommen, wenn wir das Geld hätten. Und das wäre auch sehr sinnvoll, denn kaum jemand hat das Geld für eine Kastration. So sorgen auch die Hunde in Privatbesitz immer wieder für Nachwuchs, denn sie laufen oft auch frei herum. Die Welpen werden oft ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen oder einfach in den Müll geschmissen.

So erfuhren wir auch durch die Vereinsleitung in Deutschland von Judy. Eine Touristin hat das kleine Welpenmädchen weinend, dehydriert und fast verhungert im Wald gefunden und brachte es nicht übers Herz, die Kleine dort allein sterben zu lassen. Sie nahm sie mit in ihre Ferienwohnung, wo sie postwendend Ärger mit dem Vermieter bekam, der das Hundekind sogar kurzfristig entführte und offenbar entsorgen wollte. Das konnte zum guten Glück verhindert werden. Wir holten Judy dort ab und durften sie in einer Hundepension unterbringen, wo sie nun aufgepäppelt und medizinisch behandelt wird. Es wurde uns zwischenzeitlich berichtet, dass sie total verwurmt ist und oft Bauchweh hat. Auch ihre Haut ist nicht ganz in Ordnung. Doch es wird für sie gesorgt und mit den richtigen Medikamenten und gutem Futter hat Judy gute Chancen gesund zu werden.

Der Welpe Renè hatte kein Glück. Drei Monate hat der kleine Kerl auf der Strasse überlebt. Wir konnten ihn fangen, obwohl er sehr ängstlich unters Auto gekrochen war. Seine Mutter lebt mitten in Ulcinj. Sie ernährt sich von den Abfällen des Marktes. Die Geschwister von Renè wurden alle beim Versuch der Mutter über die Strasse zu folgen vom Auto überrollt und starben. Auf den Bildern kann man sehen, dass Renè bereits dick voll war mit Räudemilben. Seine Behandlung wäre hätte zwar Zeit in Anspruch genommen, doch es wäre möglich gewesen, ihn zu heilen. Leider war Renè zu schwach und hat in der Tierklinik für immer seine Augen geschlossen.

Um diesen Notfällen schnell gerecht werden zu können, sind wir dabei ein kleines Privatshelter aufzubauen. Es handelt sich um ein grösseres Gartengrundstück, für welches wir im Monat 80.- Euro Miete zahlen. Dort werden wir einige Zwinger aufstellen und den Zaun flicken, damit die Hunde den grossen Auslauf zum Toben benutzen können. Die Betreuung der Hunde ist gewährleistet, da unseren freiwilligen Helfer dort in der Nähe wohnen und so keine grossen Wege machen müssen, um sich um die Hunde zu kümmern.

Auf unserem Weg auf der Küstenstrasse sind uns viele traurige Hundeschicksale begegnet. Viele Hunde sind krank und/oder verletzt nach Kollisionen mit Autos. Viele sind so ängstlich, dass sie sofort die Fluch ergreifen, wenn man sich nähert. Manche aber auch sehr zutraulich und freundlich und wären sofort bereit ins Auto zu hüpfen. All diesen Hunden haben wir Futter und Wasser bereit gestellt. Es ist immer wieder sehr traurig, sie ihrem Schicksal überlassen zu müssen. Leider haben nicht die Kapazität, weder finanziell noch personell uns um alle zu kümmern. Besonders in der Stadt Bar finden regelmässig Vergiftungsaktionen statt. Der Todeskampf der Hunde ist lang. Leider haben auch wir Hundeleichen neben der Strasse gefunden, die so ihr Ende gefunden haben.

Eine hochträchtige Setterhündin haben wir mehrmals am gleichen Ort gesehen. Es ist ein Müllplatz. Auch zwei ihrer halbwüchsigen Kinder, haben wir am gleichen Ort angetroffen. Der Rüde war sehr zutraulich und lieb. Mit Hilfe unserer Freundin in Ulcinj konnten wir für die Setterhündin einen Züchter gewinnen, der sie in einem seiner Zwinger aufnahm. Für 100.- Euro im Monat kümmert er sich nun um die Hündin und ihre Welpen, die sie gestern geboren hat. Es waren sechs Welpen, wo von zwei gleich nach der Geburt und einer heute morgen gestorben sind. Drei Welpen sind aber ok und nun in Sicherheit bei bester Versorgung.

Wir haben auch unsere Hunde besucht, die nun schon seit längerem in Pflege sind. Alle sind bei bester Gesundheit. Diara und Olaf, Xana und ihre drei Kinder, Buddy, Bear und Bali sind zwar etwas schüchtern, aber nach einer gewissen Zeit fassen sie Vertrauen, sind lieb und schmusig. Und Ellie, eine sozialstarke, charaktervolle Junghündin, wird schon in ihrem Zuhause in Belgien erwartet. Die jungen Wilden haben eigentlich nur eins im Sinn, toben und spielen. Wir haben die grosse Hoffnung, das wir für alle bald das geeignete Zuhause finden.

Besondere Notfälle in privater Betreuung sind Kaliff, ein dreibeiniger, aber äussert lieber und lebensfroher Labradormischling, nicht im geringsten gehandicapt. Lucky, ein blinder Hund, der vielleicht nur eine Augen-Op braucht, um wieder sehen zu können. Eva, eine zartgliedrig kleine sanfte Hundedame, Leishmaniose erkrankt. Auch Katzennachwuchs ist gerade eingetroffen. Eine Tierschutzaktivistin hat einige Katzenbabies gefunden ohne Mutter. Glücklicherweise hat zur selben Zeit eine andere Katze auch grad auf der Terrasse unserer Freundin ihre Babies geboren und hat die verlassenen bzw. weggeworfenen Katzenbabies als ihre akzeptiert.

Auf dem Weg nach Hause hat uns dann noch der Schlag getroffen, als wir einen sehr kleinen schwarzen Welpen auf dem Grünstreifen neben der vielbefahrenen Hauptstrasse nach Bar gesehen haben. Er sass einsam und allein neben einer Kartonschachtel. Wir konnten nicht anders, als diese kleine Seele kurzerhand ins Auto zu packen und glücklicherweise durften wir auch ihn in der Hundepension unterbringen. Eigentlich nehmen sie dort keine Welpen auf, weil die Gefahr besteht, dass sie Krankheiten mitbringen, die die anderen Hundegäste gefährden. Aber der Pensionsleiter hat ein grosses Herz und so konnten wir auch Ebonise, den kleinen schwarzen Welpen bei ihm lassen. Und so hat Judy einen Gefährten im gleichen Alter zum Spielen.

Ein weitere Welpe mit gebrochenem Vorderlauf und Hinterlauf wurde in die Klinik gebracht. Auch er braucht unsere Unterstützung.

Auslandstierschutz ist ein schwieriges Thema. Es ist emotional sehr belastend und doch muss man vernünftig sein. Mit der Unterstützung des Asyl Kotors, mit monatlichen Futterspenden in der Höhe von bis zu 500.- Euro und mit unserem Kastrationsprojekt tun wir viel im Land selbst und darauf sind wir stolz.

Die tierliebenden Menschen vor Ort zählen auf unsere Unterstützung, denn sie erleben den Horror jeden Tag vor ihrer Haustüre. Wir fahren wieder nach Hause und können uns erholen, doch sie finden keine Ruhe und können doch nicht weichen. Tierhilfe ist auch Menschenhilfe!

Nach all den neuen Eindrücken vor Ort bitten wir euch eindringlich, helft uns mit einer Spende, ob klein oder gross, jeder Euro hilft.

Wir finanzieren Futter für Hunde im Asyl Kotor und die Strassenhunde.

Wir planen die Finanzierung den Neubau der Quarantäne im Asyl.

Wir finanzieren das Kastrationsprojekt in Ulcinj.

Wir finanzieren medizinische Hilfe für verletzte und kranke Tiere, Tests und Impfungen und Operationen.

Wir finanzieren die Unterbringung von Notfällen vor Ort.

Wir finanzieren den Aufbau des Privatshelters für Hunde in Notsituationen.

Wir arbeiten alle ehrenamtlich neben Arbeit, Studium, Familie und eigenen Tieren.

Wir tun das gern und aus voller Überzeugung und geben unser privates Geld dazu.

Das alles ist für unseren kleinen Verein kaum zu stemmen.

Die Touristenzeit hat erst begonnen. Schon fragen uns die ersten Reisenden um Rat.

Bitte helft uns helfen! Wir schaffen es nur mit Euch!

Danke für eure Aufmerksamkeit und euer Mitgefühl. ♥

Eure Tierhilfe Montenegro Team!