Geschichten der Streuner

Sie war erst 3 Jahre alt, der Körper völlig zerschunden, von Wunden und Bissen übersät. Der schmerzliche Abdruck der Kettenhaltung, die sie Zeit Ihres Lebens ertragen musste, am Hals sichtbar. Als Wachhund an der Kette gehalten, weil sie der Rasse der Rottweiler angehörte..

Doch sie war kein aggressiver Hund. Sie war lieb und zutraulich. Als sie krank wurde, haben sie ihre "Besitzer" an einem Ort am Hafen ausgesetzt..

Dort wartete sie Tag ein, Tag aus wieder abgeholt zu werden - doch niemand kam...

Stephanie und ihr Mann fanden sie, versorgten ihre Wunden mit Antibiotika und gaben ihrem ausgehungerten Körper nach langer Zeit wieder etwas Futter sowie ihrer Seele Liebe und Zuneigung.

Sie brachten sie in ihr Heim und konsultierten den Tierarzt. Der konnte nichts mehr für sie tun. Sie hatte hochgradige Leishmaniose und diverse Tumore an ihrem zerschundenen Körper. Sie wurde erlöst und ist über die Regenbogenbrücke gegangen.

Sie hatte nur 2 Tage in ihrem Leben, die von Zuneigung und Liebe geprägt waren..

Ruhe in Frieden kleiner Schatz! Wir hoffen dass Du jetzt an einem besseren Ort bist und Frieden findest..

BELKICA

Mein Name ist Belkica. Ich bin ein kleiner Hund mit großer Lebenserfahrung.

Lasst mich Euch meine Geschichte erzählen.

Vor 4 Jahren wurde ich in einer kleinen Stadt geboren. Am Anfang haben ich und meine drei Geschwister glücklich bei unserer Mama gelebt.
Unsere Glück war aber nur von kurzer Dauer.

Zum ersten Mal haben wir den bösen Mann gesehen, als der unsere Mama vergiftete. Von da an waren wir alleine, traurig und schutzlos ohne unsere Mama.

Die erste Regel, die wir lernten war - vertraue niemandem!

Die Leute waren so schlecht zu uns, sie haben uns die ganze Zeit verjagt. Aber es gab zwei Familien in unserer Nachbarschaft, die nett zu uns waren. Sie haben uns jeden Tag gefüttert, trotzdem müssten wir weiter auf der Straße leben und waren nicht sicher.

Wir wuchsen heran und die Welt um uns herum wurde grauer und immer trauriger.. und dann totale Stille..
Der böse Mann kam wieder und vergiftete meine Brüder..

Ich dachte jetzt wäre es vorbei für mich. Ich war alleine, hatte keine Freunde, keine Mutter, keine Brüder - kein zu Hause.

Ich habe es geliebt über Felder zu rennen. Manchmal mit meinem Kumpel Jackie, der, wie ich, auch auf der Straße lebte. Wir haben zusammen gespielt, auch wenn mir oft nicht  zum Spielen war. Die Leute aus der Nachbarschaft haben uns weiter gefüttert. Ich hab sie mit Distanz beobachtet und mich gewundert.
Alles, was ich jemals wollte, war Ruhe und Sicherheit. Ich lernte alleine zu leben und liebte es über die Felder zu rennen..

Ich wurde immer größer und entwickelte mich zu einer echten Schönheit. Das Leben war wieder schön! Ich verliebte mich und wurde Mutter von
5 wundervollen Kindern. Ich habe mich behutsam um sie gekümmert und versucht die Erinnerung an meine Mutter aufrecht zu erhalten. Ich habe mich auf die Menschen gefreut, die mit täglich Futter gaben und habe gemerkt dass sie anders sind, als der böse Mann. Sie haben sich sogar um meine Babys gekümmert.

An einem ruhigen sonnigen Nachmittag habe ich mich hingelegt und wollte mich ausruhen... Ich schlief ein.. Als ich wieder aufwachte war es schon zu spät..

Der böse Mann stand genau neben mir und zielte mit einem Gewehr auf mich. Ich versuchte wegzulaufen. Ein Schuss wurde abgefeuert und ich fiel zu Boden. Der Schuss zerfetzte mein Hinterbein. Der böse Mann tötete dann meine Babys. Ich kann nicht über den Schmerz sprechen, den ich fühlte und für immer fühlen werde. Ab diesem Moment wollte ich aufgeben. Ich wollte nur noch schlafen und nie mehr wieder aufwachen.

Eine wundervolle Frau rettete mich, sie rief meinen Namen. Sie wollte nicht, dass ich gehe. Sie haben mir später gesagt, dass ich im Koma gelegen und mit meinen Leben gekämpft habe.

Sie haben mich nicht gefragt ob ich leben oder sterben möchte..

Ich erholte mich vollständig und lernte auf drei Beinen zu laufen. Wieder bekam ich kleine Babys und fühlte mich glücklich.

Ich dachte die Zeit des Leidens sei nun vorbei und hinter mir. Du meine Güte, lag ich falsch. Am 13. November wurde ich wieder schrecklich verletzt. Ich habe niemandem gesagt, was mit mir passiert ist. Ich quetschte den letzten Tropfen Kraft aus mir und schleppte mich zu dem Haus der Frau, die mich gerettet hatte..
Als sie mich sah, weinte sie fürchterlich. Mein Kumpel Jackie wollte mir helfen, aber der Arme konnte nicht. Mein Vorderlauf blutete und ich kollabierte..

Ich hörte noch wie sie den Tierarzt angerufen hat. Ich hörte wie sie sagte: .."einschläfern!"... Ich hörte sie weinen... Ich wurde ohnmächtig.

Ich wachte wieder in einem seltsamen Raum auf und wußte nicht wo ich war.. Mein Vorderlauf war weg.. Nie mehr wieder würde ich laufen können!

Die Frau hatte nicht die Kraft mich gehen zu lassen...

Zwei Monate später wurde ich wieder zurück gebracht. Zuerst in ein Tierheim, wo das Leben.. na ja, nicht wirklich gut ist.. Es war so dunkel, kalt und ungemütlich dort.
Die Frau rettete mich wieder und brachte mich zu sich nach Hause. Meine Kinder waren auch dort, sie wuchsen dort auf und warteten auf mich. Mein alter Freund Jackie war dort, Lucky - der Hund in einem Rollstuhl war auch da.

Aber alles was ich tun konnte war, mich hinzulegen. Die Blumenfelder sind weit weg. Ich kann nicht mehr mit zwei Beinen laufen. Ich liege nur herum und leide in Stille.

Die Frau sagt, dass ich eine Gelenkprothese brauche. Ich weiß nicht was eine Gelenkprothese ist..

Alles was ich möchte ist aufstehen, gehen und laufen können.



November 2013: Gestern hat uns die traurige Nachricht erreicht, dass Belkica in Montenegro verstorben ist. Die Ursache ist noch unklar. Belkica hatte innerliche Blutungen im Magen Darm Bereich.. Sie konnte nicht mehr urinieren und hat Blut gespuckt. Wir sind unendlich traurig.

Belkica hat die vergangenen Monate bei den Menschen und Fellnasen verbracht, die sie ihr kurzes & oft trauriges Leben lang begleitet haben. In den letzten Monaten war sie umgeben von Liebe und Zuneigung. Gerne hätten wir der Maus mit eine professionellen medizinischen Versorgung hier in Deutschland geholfen, doch die Frau, die sie in Montenegro fand, konnte sich nicht von ihr trennen...

Jetzt ist Belkica an einem hoffentlich friedlichen Ort und kann endlich wieder über grüne Wiesen laufen.

Ruhe in Frieden kleiner Schatz! ♥