Kussi - Nachruf †

Und ich wollte doch noch nur leben……

Als ich geboren wurde, habe ich meine Mama nur kurz gesehen, es war schön und der Himmel war blau. Dann hat mich aber sehr schnell weggenommen und der Mann gab mir wenig zu essen, ich wurde weg gesperrt. Kein Kontakt zu anderen Hunden, sagte er. Wenn ich vor Hunger weinte und dann ganz verrückt wurde, gab er mir etwas Futter. Warum macht er das, ich war doch noch klein.

 

Ich bekam immer nur Futter, wenn ich ganz wild wurde. Das wollte ich aber gar nicht, ich wollte so gern gestreichelt werden und mit anderen Hunden spielen. Der Mann war böse, er schlug mich auch, nur weil ich spielen wollte und an ihm hoch sprang. Er schlug mich immer öfter. Ich war so traurig und weinte nach meiner Mama. Dann kam er wieder und lockte mich zu sich, band mir die Schnauze zu und schnitt mir die Ohren ab. Es tat so weh und ich versuchte weg zu laufen, es blutete sehr. In meine offenen Ohrmuscheln setzten sich viele Zecken und sie schmerzten, nun war ich richtig häßlich. Immer war es dunkel um mich herum und kein Wasser und kein Futter. Dann kamen andere Männer, sie sperrten  mich in eine Kiste und fuhren weg. Als ich aus der Kiste musste hatte ich große Angst. Ich sah einen größeren, anderen Hund, der fletschte die Zähne und er biss und biss mich. Ich blutete überall am Körper. Es tat so weh und ich versuchte weg zu laufen.

Männer waren da und schrien alle durcheinander und keiner half mir. Endlich musste ich wieder in die Kiste und in den dunklen Stall.

 

Dann kam keiner mehr, alles tat mir weh und ich hatte Hunger und Durst. Und überall am Körper saßen die Blutsauger, die Zecken. Ich versuchte mich unter dem Stall durch zu buddeln, gelangte von dort auf die Strasse und fand endlich etwas zu fressen. Nicht lange, da kamen wieder Männer, ich lief und lief, aber sie fingen mich doch.

 

Man brachte mich in ein Asyl, wo schon viele Hunde waren, aber ich musste in ein kleines dunkles Loch mit verrostetem Gitter. Es gab Wasser und etwas Futter und ich hoffte.

 

Nach einigen Tagen kamen Frauen, sie sprachen eine ander Sprache, holten mich heraus und entfernten ganz viele der Zecken. Sie weinten alle, gaben mir eine große Schüssel Fleisch vom Feinsten, streichelten mich und gaben Medikamente. Der zweite Sommer in meinem Leben schien schön zu werden.

Die Frauen waren weg, der Tierarzt kam, er war grob und gab mir eine Spritze ins Herz, es tat sehr weh und ich konnte merken, wie ich sterbe.

 

Für diesen kleinen  „Kampfhund „Kussi“ , wir nannten ihn so, weil er so lieb war, suchten wir einen Platz, wo er leben konnte. Er liebte auch andere Hunde und hätte jeden Wesenstest bestanden. Er war reserviert. Der neue Tierarzt im Asyl Kotor hat sich an diese Abmachung nicht gehalten.